Die junge Geschichte des World Wide Webs begann um die Jahreswende 1990/91 mit dem Schreiben des Codes für das Web durch den englischen Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee. Seitdem hat das Web das Mediensystem von Grund auf verändert. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Web inzwischen in eine Reihe mit Medien wie Buch, Film, Fotografie, Radio, Fernsehen und Computer getreten ist, deren Errungenschaften die Menschen und die Gesellschaft nachhaltig geprägt und verändert haben. Radikal sind die Auswirkungen der webtechnischen Innovation sowohl für die Medienlandschaft und die Gesellschaft als auch für diejenigen Wissenschaften, die sich mit Medien – deren Geschichte, Inhalten, Formen, Technik, Wirkungen usf. – befassen.
Für die Grundlegung dieser neuen Disziplin, der Webwissenschaft, besteht die Notwendigkeit, diesen Gegenstandsbereich näher auszuloten. Die Wesensbestimmung des Webs verlangt nach einer Reflexion des Medienbegriffs, der Wissenschaftstheorie, der medienspezifischen Ästhetik, der Veränderung des Öffentlichkeitsbegriffs und der gesellschaftlichen Auswirkungen.
Neben den grundlegenden, erkenntnistheoretischen Fragen richtet sich die Webwissenschaft auf Anwendungsbereiche, die webimmanent wirksam sind: Thematisiert werden in dem Band das Design, die Usability-Forschung, der Journalismus sowie die online-journalistische Ausbildung und die Online-Forschung. Einen dritten Gesichtspunkt bildet die Integration von Disziplinen, die die Perspektive des Webs aus ihrer jeweiligen fachlichen Perspektive betonen: Dazu gehören die Ökonomie des Webs, das Medienrecht sowie der Kontext der Suchmaschinenforschung.
Konrad Scherfer (Hg.): Webwisssenschaft – Eine Einführung. LIT: Münster 2008.
Erhältlich im Buchhandel und u.a. bei Amazon.
Inhaltsverzeichnis
I
Ist das Web ein Medium? (Konrad Scherfer)
Warum und zu welchem Zweck benötigen wir eine Webwissenschaft? (Helmut Volpers)
,Diese Site wird nicht mehr gewartet‘. Medienanalytische Perspektiven in den Medienwechseln (Rainer Leschke)
Emergente Öffentlichkeit? Bausteine zu einer Theorie der Weböffentlichkeit (Christoph Ernst)
Das ICH im Web – Auswirkungen virtueller Identitäten auf soziale Beziehungen (Helmut Volpers / Karin Wunder)
Technikgeschichte des Webs (Tom Alby)
II
Visuelles Denken im Interaktions- und Webdesign (Cyrus Khazaeli)
Das fotografische Bild im Web (Anja Bohnhof / Kolja Kracht)
Qualität im Web – Interdisziplinäre Website-Bewertung (David Kratz)
Für eine neue Poesie der Neugier. Das Web verändert den Journalismus – nicht nur online (Mercedes Bunz)
Das Web braucht Spezialisten, keine Generalisten. Zur Notwendigkeit einer webspezifischen Professionalisierung in der Ausbildung (Petra Werner)
Online-Forschung im Web – Methodenschwerpunkte im Überblick (Simone Fühles-Ubach)
III
Im Spiel der Moden? – Das Web in der Wirtschaft, die Wirtschaft im Web (Jörg Hoewner)
Medizin im Web (Martina Waitz)
Das Web und das Medienrecht (Bernd Holznagel / Thorsten Ricke)
Suchmaschinenforschung im Kontext einer zukünftigen Webwissenschaft (Dirk Lewandowski)